Seit 25 Jahren in Eigenregie der Bewohner
„In der Vergangenheit wurde von Rieselfelder BürgerInnen mehrfach der Wunsch geäußert, das jährliche Stadtteilfest mitzugestalten. Dieses Jahr haben Sie die Gelegenheit, Ihre Vorstellungen einzubringen bzw. selbst ein Beitrag zum Programm zu leisten.“ Dieser Aufruf in der Stadtteilzeitung vom März 2001 war vor 25 Jahren der Startschuss für das Stadtteilfest Rieselfeld wie wir es heute kennen: Organisiert von Rieselfeldern für Rieselfelder, und inzwischen weit darüber hinaus.
Das erste Fest für den neuen Stadtteil hatte allerdings schon fünf Jahre früher stattgefunden. Veranstalter war die Städtische Projektgruppe Rieselfeld. Von 1996 an stand jedes Jahr zwischen Baugruben und Schotterstraßen im Zentrum des neu entstehenden Stadtteils an einem Wochenende im Sommer ein Festzelt mit Imbissstand, und am Abend spielte eine Band zur Freude der ersten Bewohnerinnen und Bewohner. Nachmittags hatten die Kinder bei den ersten Festen ihren Spaß an Fahrten mit einer Draisine auf den Straßenbahnschienen, solange die Bahn ihren Betrieb noch nicht aufgenommen hatte. Später wurde die Draisine ersetzt durch Kamele vom Mundenhof, auf denen sich die Kleinen über die staubigen Wege und über weite unbebaute Flächen schaukeln lassen konnten. Und erste Nachbarschaftsgruppen trugen mit eigenen Aktivitäten, wie etwa Seifenblasen, zum Programm bei.

1998: Seifenblasen beim Stadtteilfest (Foto: Günter Manthey)
Auch Wohnungssuchende und Einfach-nur-Neugierige aus der ganzen Stadt konnten sich zugleich an beiden Tagen über die entstehenden Bauprojekte informieren: Im „Investorenzelt“ präsentierten Bauträger, Wohnbaugesellschaft und Baugruppen ihre Vorhaben. Ein großes Modell verdeutlichte, wie der Stadtteil eines Tages aussehen sollte.
Gemeinschaftsgeist geweckt
Es war an einem launigen Sommerabend auf dem Fest im Jahr 2000: Eine kleine Gruppe von Nachbarinnen und Nachbarn saß gemütlich beisammen und fasste den Entschluss, das Stadtteilfest künftig selbst in die Hand zu nehmen. Der Gemeinschaftsgeist war geweckt. Mit dem BürgerInnenVerein und seinem Vorsitzenden Andreas Roessler und K.I.O.S.K. mit Quartiersarbeiter Clemens Back waren bereits Strukturen vorhanden, in denen man so etwas angehen konnte. Gemeinsam bildeten sie ein Festkomitee. Klaus Siegl und Michael Hogenmüller von der Städtischen Projektgruppe begrüßten die Initiative. Das war ganz in ihrem Sinn: Gemeinsam mit den Bewohnern das Leben in dem jungen Stadtteil zu gestalten.
So fand also 2001 am letzten Wochenende vor den Sommerferien das erste Fest statt, bei dem viele Menschen aus dem Stadtteil in Eigenregie für frisch gezapftes Bier und knackige Grillwürste sorgten. Dieser Termin gilt bis heute. Der Wirtschaftskontrolldienst hatte Rieselfeld damals offenbar noch nicht auf dem Zettel. Jedenfalls störte sich niemand daran, dass das Wasser zum Spülen der Bierkrüge in großen Wannen in einem Fahrradanhänger von einem entfernten Hydranten herangekarrt wurde oder ein ziemlich schmuddeliger Toilettenwagen die Hinterlassenschaften der Festbesucher direkt in einen Gully in der Rieselfeldallee entsorgte.

2001: OB Böhme eröffnet das erste Stadtteilfest der Bewohner (Foto: Günter Manthey)
Bei den Waffelbäckern der Seniorengruppe um Walter Sütterlin oder an Martina Haukes Kuchentheke und musste damals noch kein Nachweis über fließend warmes und kaltes Wasser geführt werden. Auch Bio-Snacks von der Kirchengemeinde, Schupfnudeln und Speckbrote von der Narrenzunft Hölle-Leue oder Flammkuchen vom BürgerInnenVerein rundeten ganz ohne Hygienenachweis das kulinarische Programm ab. Dass die Preise auf dem Fest für alle erschwinglich sein sollten, war für das Festkomitee eine Selbstverständlichkeit: Eine Bratwurst mit Pommes kostete 2,50 Euro, ein Krug Bier 2,20 Euro und eine große Flasche Wasser einen Euro.
Buntes Programm von Anfang an
Schon damals gab es erste Ansätze für das umfangreiche Festprogramm aus der Bevölkerung heraus, wofür das Stadtteilfest Rieselfeld bis heute berühmt und beliebt ist: Kinder und Jugendliche aus Schulen, der Jugendmusikschule und der Freiburger Turnerschaft zeigten auf der staubigen Bühne mit Theateraufführungen, Jazzdance und Konzerten ihr Können. Thomas Müller präsentierte Kunststücke auf dem Rücken seiner Pferde von „Toms Ranch“ und lud Kinder und Jugendliche zum Reiten ein.
Den Auftakt am Samstag bildete, wie in vielen weiteren Jahren, der Rieselfelder „A-Capella-Chor“ (später „querbeat“), und am Sonntagmorgen gab es einen Jazz-Frühschoppen. Als weiteren Höhepunkt, auch in den folgenden Jahren, zauberten die Rieselfelder Samba-Trommler Copacabana-Feeling auf den Festplatz und an beiden Abenden tanzten die Festbesucher ausgelassen zu den Rhythmen der Band „Domino“.

2001: Rieselfelder Samba-Trommler sorgen für Stimmung (Foto: Günter Manthey)
Dort, wo heute das Glashaus steht, herrschte 2001 an beiden Tagen ausgelassener Trubel. Für die vielen Kinder war das Spielmobil angerückt, der USC motivierte zum Basketballtraining, „Kontiki“ vom Mundenhof lud zu Planwagenfahrten mit Pferdegespann ein und ein Hubsteiger half beim Bierkistenstapeln in schwindelnde Höhen. Zum Abschluss am Sonntagabend loderte in einer Baugrube, wie schon beim ersten Fest 1996, ausrangiertes Bauholz in einem Freudenfeuer. Diese „Tradition“ wurde erst beendet, nachdem die freien Flächen rund um den Festplatz zugebaut waren.

2002: Fest auf dem Geschwister-Scholl-Platz (Foto: Martin Leidner)
Auch 2002 sollte das Fest mit einem Lagerfeuer enden. Weil im Zentrum das Glashaus und die Kirche gebaut wurden, fand es in der Baugrube am Geschwister-Scholl-Platz statt. An der Stelle, wo heute „LIDL“ seine Waren verkauft, drehte sich ein Kinderkarussell, spritzte die Feuerwehr Wasserfontänen gegen den Staub. Statt eines Abschlussfeuers am Sonntagabend aber gab es Blitz und Donner. Ein gewaltiges Gewitter prasselte auf den Platz nieder, heftige Sturmböen sorgten dafür, dass die vielen kleinen Partyzelte nicht mehr abgebaut werden mussten. Sie landeten anderntags direkt im Müllcontainer.
Davon ließen sich die Rieselfelder aber das Feiern nicht verdrießen. Schon 2003 fand an derselben Stelle das nächste Fest statt. Erstmals wurde es am Sonntag von den beiden Kirchen mit einem ökumenischen Festgottesdienst im Gastro-Zelt eröffnet. Seither werden Stadtteilfest und Maria-Magdalena-Fest, sozusagen die Rieselfelder Kirchweih, immer gemeinsam gefeiert. Die Jurte der Pfadfinder, das Salatbuffet und die Kuchentheke, die Mesner Stefan Bröker Jahr für Jahr mit seinen Helfern aufbaut, haben Tradition. Der ökumenische Festgottesdienst wird seit 2004 im Kirchenzentrum gefeiert.

2003: Karussell auf dem Geschwister-Scholl-Platz (Foto: Lars Günnewig)
Mit dabei seit 2003 auch Sport vor Ort Rieselfeld, der ein Jahr zuvor gegründet wurde. Gründungsmitglied und SvO-“Festwirtin“ Hedy Kiefer sorgt seither gemeinsam mit Sportlerinnen und Sportlern für herzhafte Verpflegung. Unvergessen die Idee des damaligen Vorsitzenden Martin Buttmi, die Festgäste mit Rollbraten zu beglücken. Weil es an den Festtagen aber viel zu heiß war, blieb eine große Zahl davon übrig und nicht wenige SvO-Familien hatten anschließend noch einige Tage daran zu knabbern. Besser kalkuliert läuft seither das traditionelle SvO-Weißwurst-Frühschoppen am Sonntagmorgen. Und vor allem die Darbietungen verschiedener Abteilungen des SvO sowie der Freiburger Turnerschaft auf der großen Fläche vor der Bühne. Dort, wo gegen Abend die „Hölle-Leue“ hunderte Rieselfelder Kinder zum Tanz animieren.

2004: Neustart auf dem Maria-von-Rudloff-Platz (Foto: Lars Günnewig)
Nachdem Glashaus und Kirche 2004 fertiggestellt waren, konnte das Fest wieder auf den zentralen Maria-von-Rudloff-Platz zurückkehren, wo es bis heute stattfindet. Der Platz und damit das Fest wurden 2025 mit Hilfe von Spenden aufgewertet durch die „Grüne Mitte“: Zwölf Bäume, in deren kühlem Schatten die Gäste feiern können.
Ein großer Teil der Fest-Ausstattung wurde finanziert von der Städtischen Projektgruppe, die das Stadteilfest über viele Jahre unterstützte. So konnten die Zelte beschafft werden, die bis heute Jahr für Jahr auf dem Festplatz stehen. „Wir sahen in dem Stadtteilfest die große Chance zu zeigen, dass Rieselfeld nicht nur aus Baustellen besteht, sondern von Anfang soziales und kulturelles Leben stattfindet“, sagt der damalige Leiter der Projektgruppe, Klaus Siegl, heute.
Die große Bühne mit der breiten Tanzfläche ist erst seit 2014 Schauplatz von Musik, Tanz und Sport. Im Jahr zuvor hatte eine Windbö auf der Tanzfläche vor dem Zelt ein großes Lichtstativ umgeworfen. Verletzt wurde niemand, aber für Programmchef Ralf Mohrbacher war das Anlass, eine sturmfeste Lösung zu suchen und in der mobilen Bühne auch zu finden. Seit vielen Jahren bewegt er dort nicht nur die Regler für guten Ton und Licht, sondern motiviert Jahr für Jahr Sponsoren für die Finanzierung der Bühne.
Heute kaum noch vorstellbar sind die technischen Pannen, die in den Anfangsjahren zuvor regelmäßig auftraten: Kaum hatte die Seniorengruppe ihr viertes Waffeleisen eingeschaltet, fiel auf dem ganzen Platz der Strom aus. Kabel schmorten durch, selbst gebrannte CDs liefen nicht, der Kassettenrekorder auf der Bühne produzierte Bandsalat, nach einem schweren Gewitter mussten Steckdosen trocken geföhnt werden und mehrfach streikte bei der Eröffnung das Mikrofon von Oberbürgermeister Salomon.

2010 Bobbycar-Rennen auf der Willy-Brandt-Allee (Foto: Harald Kiefer)
Ganz allmählich, beinahe heimlich, war aus dem ursprünglichen Wochenendfest ein dreitägiges Event geworden. Erst ganz minimalistisch, mit ein paar Bier und Würstchen für die Aufbauhelfer am Freitagabend. Aber schon 2007 ab Freitagabend mit Cocktailbar, Musik und Karaoke für Jugendliche. Und erstmals mit dem legendären Bobbycar-Rennen, an dem jeweils am Sonntag auch in den folgenden Jahren Kinder und Erwachsene teilnehmen durften. Seither wird an drei Tagen gefeiert. Seit mehr als zehn Jahren mit Auftritten von Rieselfelder Bands am Freitag, Disco am Samstagabend und einem Rock-Konzert am Sonntagabend. Eine der ungewöhnlichsten Ideen waren die Helikopter-Rundflüge, die zum Fest 2014 im Stadtteilpark starteten. Wegen zahlreicher Proteste von Anwohnern, insbesondere aber wegen Toms Pferden, die vor dem Lärm scheuten, blieb dies ein einmaliges Angebot.
„Interessant finde ich, dass fast alle, die von Anfang dabei waren, auch heute noch aktiv sind“, stellt Klaus Siegl fest. Und tatsächlich: Jahrelang hat Günter Manthey das Programm koordiniert und die Beschallung besorgt. Karl Dorer als heutiger Vorsitzender des Organisationskomitees hat schon 2001 gemeinsam mit dem technischen Leiter Günter Haberstroh die ersten Lichterketten zusammengeschraubt, die heute noch das Fest beleuchten. Mit dabei damals der Autor dieser Chronik, der viele Jahre als Fest-Moderator tätig war, mehrfach gemeinsam mit Bertram Schrade.
Nur mit Verjüngung geht es weiter
An diesem Punkt ist etwas gelungen, was für die Zukunft des Stadtteilfests Rieselfeld hoffen lässt: 2018 wurde die Moderation von jungen Männern übernommen: David Santos-Nunier und Rico Haber, der in diesem Jahr von Tobias Weiß abgelöst wird. Aber nur wenn noch viel mehr junge Menschen demnächst das Engagement der immer noch aktiven und heute überwiegend zwischen sechzig und siebzig Jahre alten Fest-Initiatoren übernehmen, kann es weitergehen. Seit Jahren wird es immer schwieriger, genügend Helferinnen und Helfern für den Auf- und Abbau, die Bewirtung oder den Spülwagen zu finden.
Alle, denen das Stadtteilfest etwas bedeutet, sollten sich angesprochen fühlen und mitmachen. Dann können alle zusammen in zehn Jahren das 40jährige Festjubiläum feiern.

