Gewalt gegen frauen im oeffentlichen Raum Rieselfeld 1200Als die Polizei diesen Sommer die Sicherheitskonferenzen abhielt, riefen diese überraschenderweise keine große Resonanz hervor. Im Rahmen dessen stellte die Polizei jedoch fest, welche Themen wirklich unter den Nägeln brennen und als dringlich wahrgenommen werden. Dies wurde im Juli auch im Rieselfeld offenkundig, woraufhin der BIV zusammen mit der Polizei beschloss, eine thematisch gezielte Informationsveranstaltung anzubieten, die dann am 30.Oktober 2019 stattfand.

Thema: Gewalt gegen Frauen im öffentlichen Raum – Wie kann ich mich schützen? Referent: Kriminalhauptkommissar Karl-Heinz Schmid

Dass die Wahl  des Themas ein Volltreffer war, zeigte die große Zahl der TeilnehmerInnen. Ins Glashaus kamen circa sechzig interessierte Frauen aller Altersstufen und  einige wenige Männer. Herr Schmid führte die ZuhörerInnen mit Zahlen aus der Kriminalstatistik in das Thema ein: • 1/3 der Straftaten gegen Frauen geschehen im ...

öffentlichen Raum - der weit größere Anteil findet im privaten Umfeld durch Nahestehende statt. • Die Übergriffe im öffentlichen Raum sind in der Regel nicht geplant. Die Triebtäter ergreifen die Gelegenheit, wenn sie ein geeignetes Opfer in geeigneter Umgebung treffen. • Statistische Auswertungen charakterisieren die Täter meist als junge, sportlich gewandte Männer • Die Opfer: Junge Frauen, alleine zu Fuß oder mit Fahrrad unterwegs • Die Tat findet oft in der Dunkelheit statt, in neunzig Prozent der Fälle in der Nähe der Wohnstätte und dauert selten länger als zehn Minuten.

Auszüge aus einigen Polizeiprotokollen der Freiburger Sexualstraftäterkartei  verdeutlichten den Ablauf einer solchen Tat und machten sie hautnah nachvollziehbar. Der erfahrene Kriminologe analysierte und verdeutlichte das Verhalten der Täter und der Opfer anhand dieser Berichte und gab Verhaltenstipps. Hier zusammengefasst:

Wie kann ich gefährliche Situationen vorbeugen? • Durch selbstbewusstes Auftreten, frau darf unhöflich und frech sein, wenn ihr eine Situation komisch vorkommt, aufmerksam für die Umgebung sein, beleuchtete und belebte Straßen benutzen, mindestens zu zweit unterwegs sein, gegebenenfalls die Straßenseite wechseln.

Wie verhalte ich mich am besten in einer gefährlichen Situation? • Wenn es geht, den Situationsort sofort verlassen, den Angreifer siezen, laut um Hilfe schreien, sich nicht scheuen an fremden Häusern Sturm zu klingeln, Passanten ansprechen, Notruf 110 wählen.

Wie verhalte ich mich, wenn ich Zeuge eines Übergriffs werde? • Täter laut ansprechen ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, Anwesende direkt zu Mithilfe auffordern, Polizei rufen unter 110.

In der anschließenden, sehr regen Diskussion wurden vom Publikum viele Fragen gestellt, deren Antworten klären sollten, ob das eigene Verhalten in erlebten Situationen richtig war. Aber auch Berichte über persönlich Erlebtes wurden vorgebracht.  
Als konkrete Angsträume der RieselfelderInnen bei Dunkelheit wurden das Naturschutzgebiet, der Dietenbachpark und das Lindenwäldle für den Nachhauseweg genannt. Die Forderung nach kostenlosem ÖPNV für Frauen bei Dunkelheit wurde laut. Das bestehende Angebot der Stadt für das Frauennachttaxi zu 7 Euro werde laut dem Referenten noch wenig genutzt.

Auch wollten die Anwesenden wissen, ob frau das richtige Verhalten erlernen kann, als Präventionsmaßnahme sozusagen, und ob es geeignete Trainingsmöglichkeiten gäbe.

Herr Schmid empfahl ausdrücklich solche Trainings, da erfahrungsgemäß selbst das laute Schreien um Hilfe den meisten Menschen schwer fiele und erlernt werden müsse. Auf Wunsch der Anwesenden hatte sich der BürgerInnenverein Rieselfeld bereit erklärt, solch einen Trainingskurs für die RieselfelderInnen zu organisieren.

In Freiburg werden Kurse zur Kriminalprävention von “Sicheres Freiburg” und “Frauenhorizonte – Gegen sexuelle Gewalt” bereits angeboten.

Ergänzung zum Thema:  Freiburg hat sich im Oktober dieses Jahres als achtundzwanzigste Stadt der bundesweiten Aktion “Luisa ist hier” angeschlossen. Das Ziel ist, den Frauen, die zum Beispiel in Tanzclubs in Bedrängnis geraten sind, umgehend zu helfen. Die Betreffende geht zum Thekenpersonal oder zum Türsteher und fragt “Ist Luisa hier?” Das Personal kennt diese Code-Frage und wird aktiv. In Freiburg ist die Kampagne an die Beratungsstelle "Frauenhorizonte – Gegen sexuelle Gewalt" angebunden.

Smiljka Vucikuja/BürgerInnenverein Rieselfeld e.V.

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