Der ökumenische Hausmeister und katholische Mesner und „Mensch für alles“ verabschiedet sich nach fast 30 Jahren in den Ruhestand. Nicht ohne uns vorher einen Einblick in sein Tun zu geben. Ein Interview der Maria-Magdalena-Kirche mit Stefan Bröker.
1998 hast du zunächst als katholischer Hausmeister und Mesner in der Maria-Magdalena-Kirche begonnen. Was hat dich damals motiviert die Stelle anzutreten?
Wir sind als Familie 1996 ins Rieselfeld gezogen. Ich war bald ehrenamtlich engagiert. Da hieß es schnell: „Kannsch mal helfen, die Küche einzubauen?“ So bin ich reingewachsen. Ich war im Vorstand für die katholische Gemeinde und später Mitglied der Wettbewerbskommission für den neuen Kirchenbau. Als der Kirchenbau voll im Gange war, fiel die Wahl für diesen neuen Job schnell auf mich. Dazu war es für mich eine willkommene Chance, unser Familienleben neu aufzustellen. Es war immer mein Wunsch, als Eltern gleichberechtigt zu arbeiten. Das war so möglich.
Du wohnst im Rieselfeld, bist gut im Stadtteil vernetzt. Viele haben deine Handynummer gegen Kummer. Wie hat dein Umfeld das mitgetragen?
Es stimmt, dass sich bei mir Ehrenamt und Beruf durchmischt haben. Oft hat es an der Haustüre geklingelt. Meine Frau Hedi hat dann schon auch mal darauf hingewiesen: Montags hat Stefan frei. Wir waren fast ein kleines Familienunternehmen: Hedi hat anfangs die Kirchenwäsche gemacht. Zu meinen Söhnen habe ich an Weihnachten, Ostern und anderen Festtagen gesagt: „Komm, wir machen die Wände zu und stellen die Stühle um.“ Die haben diese andere Art des Weihnachtsfestes mitgetragen. Ich schätze, dass sie auch ein bissel stolz waren auf Papa. Weil sie auch gespürt haben, dass der Beruf zu mir passt.

Ab 2013 bist du außerdem als evangelischer Hausmeister im Einsatz. Du gibst viel Herzblut in deine Arbeit. Was hält deine Motivation hoch?
Für mich war es wichtig, dass ich meinen Teil zu einem guten sozialen Miteinander beitrage. Gerade in den Anfangsjahren war ein Großteil meiner Umgebung kirchlich sozialisiert. Manche nannten unsere Straße den Sankt Anna-Müller-Weg. Die Kirche wurde ein wichtiger Player im Sozialraum. Auch für meine Kinder war Kirche ein wichtiger Anlaufpunkt. Den wollte ich mitgestalten. Bis heute ist es mir ein Anliegen, dass unsere Kirche einladend wirkt. Die Gäste sollen den Raum schön hergerichtet vorfinden. So kann der Raum was bei Menschen zum Schwingen bringen.
Du hast den ganzen Bau begleitet. Du kennst jeden Stein und weißt viele Geschichten. Was ist dein Lieblingsort in der Kirche?
Das ist definitiv der Blick vom evangelischen Altar aus in die geöffnete Kirche. Da versteht man, was die Architektin haben wollte: Höhe, Tiefe, Weite, Licht.

Du hast ja auch viel für die Kirche selbst gebaut. Woran denkst du gern zurück?
Besonders gelungen finde ich die Schale für die Friedenslichter der evangelischen Kirche. Meistens habe ich gleich eine Idee im Kopf, was zu dem Raum passt. Und dann muss ich es nur noch umsetzen.
Was zeichnet deiner Meinung nach die Kirche Maria Magdalena aus?
Da fallen mir die Installationen zu den Festtagen ein. Da entsteht jedes Jahr etwas Neues im Kirchenraum. Mal haben wir einen Weihnachtsbaum aus Holzkreisen erstellt, ein riesiger Stern mit Rettungsfolie beklebt oder ein begehbaren Tunnel in die Kirche gestellt. Mir macht es Freude, solche künstlerischen Prozesse mitzugestalten. Oft kommen die Leute mit unfertigen Ideen auf mich zu. Ich versuche das dann möglich zu machen. Das zeigt: Wir sind keine statische Kirche.
Du hast die Entwicklung der Kirche ganz von den Anfängen im Jahr 1996 bis heute erlebt. Wovon ist dir der Abschied schwer gefallen?
Anfangs war ich nur fürs Rieselfeld zuständig. In den letzten Jahren sind immer mehr Aufgaben für die ganze Kirchengemeinde dazu gekommen. Da musste ich lernen, mich abzugrenzen. Ich bin einfach nicht mehr so präsent in Maria Magdalena. Das ist mir schwer gefallen.
Und welche Veränderungen machen dich froh?
Von Anfang haben sich hier Menschen eingebracht, die noch kein vorgefertigtes Bild von Kirche hatten. Diesen Experimentiercharakter sollten wir uns beibehalten. Da passt es für mich, dass wir zum Beispiel die Wände seit der Coronapandemie meistens offen haben. Damit hat sich auch mein Raumgefühl erweitert. Zum Beispiel machen wir beim Besuch der „Freunde von der Straße“ nicht mehr die Wände zu. Die Tische stehen bis zum katholischen Altar. Das wäre für mich früher nicht denkbar gewesen. Doch ich habe gelernt, dass diese Kirche nicht nur gottesdienstlichen Zwecken dient. Und genau da sehe ich auch die Zukunftsfähigkeit der Kirche.
Hast du ein Bild für diese Zukunft von Kirche?
Diese Kirche ist nicht nur für Christen da. Natürlich müssen sich die Gläubigen weiterhin mit dem Ort identifizieren können. Doch für die Gottesdienstbesuchende allein brauche ich dieses Haus nicht. Dieser Raum will eine spirituelle und kulturelle Begegnung möglich machen. Das passiert schon. Zum Beispiel beim Rave im Januar. Oder beim Konzert von Sympuls diesen Mai mit experimenteller Musik. Da kamen über 150 junge Leute hier her, die mit Kirche nichts am Hut haben. Doch der Raum wirkt einfach. Als kleines Souvenir nehmen die dann diesen besonderen, ja spirituellen Eindruck des Raumes mit.
Du bist auch selbst ein spiritueller Mensch. Wie haben sich Beruf und Glaube gegenseitig beeinflusst?
Tatsächlich ist ganz tief in mir die Gewissheit, dass ich nie allein unterwegs bin. Ich bin überzeugt, dass Menschen in dieser Kirche etwas von dieser Nähe spüren können. Ich stehe dann gern für die Botschaft des Raumes ein. Zum Beispiel wenn da der Bischof kommt und erhöht sitzen will. Dann hab ich dem Stefan Burger schon gesagt: Wir sitzen hier alle auf der gleichen Ebene. Das ist für mich auch eine demokratische Grundhaltung.
Worauf kannst du in deinem Ruhestand auch gut verzichten?
Oft lag ich abends schon gemütlich auf dem Sofa bis mir plötzlich einfällt: Ich muss ja noch die Kirche abschließen. Ich bin froh, wenn sich dieser Reflex abbaut; diese ständige Sorge ums Haus.
Viele Jahre warst du fast jedes Wochenende im Einsatz. Jetzt hast du plötzlich frei. Wie sieht ein gelungenes Wochenende im Hause Bröker künftig aus?
Genau so! (Stefan zeigt auf den Tisch mit Erdbeerkuchen.) Im Ernst: ich bin schon gespannt, wie mein nächstes Weihnachten aussieht. Es wird sich zeigen.
Von Herzen: Danke, Stefan.