1. Die wichtigsten Grundlagen
Das Herz ist eine Pumpe – das zentrale Organ des Blutkreislaufs. Es handelt sich um einen blutgefüllten, komplexen Hohlmuskel, der als ein in Serie geschalteter Zweizylinder und Zweitakter mit Kompressoreffekt sowie Eigensteuerung funktioniert.
Anatomie des Herzens:
- Linke und rechte Herzkammer
- Linker und rechter Vorhof
- Vier Herzklappen: Aortenklappe, Mitralklappe, Pulmonalklappe und Trikuspidalklappe
- Aorta leitet sauerstoffreiches Blut vom linken Ventrikel weiter
Symbolische Bedeutung
In der Religion wird das Herz als Sitz der Seele, des Gemüts und der Gesinnung gesehen. Beispiele:
- "Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen" (Matthäus 5,8)
- "Ein Mensch sieht was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an" (1.Sam.16,7)
Im Volksempfinden steht es für Liebe, Gefühle und Emotionen.
2. Das Altersherz
Altern ist keine Krankheit, aber im Alter häufen sich typische Herzerkrankungen. Man spricht daher nicht von einem spezifischen "Altersherz", sondern von altersbedingten Veränderungen:
- Die Herzfrequenz nimmt ab
- Herzrhythmusstörungen werden häufiger
- Der systolische Blutdruck steigt, da die Gefäßwandelasticität nachlässt
3. Das stolpernde Herz (Herzrhythmusstörungen)
Herzrhythmusstörungen wie Extrasystolen treten gehäuft auf. Bei gesundem Herzen sind sie meist medizinisch harmlos, können aber subjektiv sehr belastend sein. Sie sind stark beeinflussbar durch psychische Faktoren und das vegetative Nervensystem.
Vorhofflimmern
Dies ist besonders gefährlich. Dabei fehlen P-Wellen im EKG, es zeigen sich Fibrillationswellen und ein unregelmäßiger Kammerantwort.
Gefahr liegt darin, dass bei verlangsamtem Blutfluss Gerinnsel im Vorhof (besonders im Vorhofsohr) entstehen können. Diese Gerinnsel können verschleppt werden (Embolie), führen oft zum Gehirn und verursachen Schlaganfälle.
Nach dem 70. Lebensjahr erleidet etwa jeder Achte Vorhofflimmern; das Embolierisiko steigt mit dem Alter zusätzlich.
4. Das müde Herz (Verlangsamter Herzschlag & Schrittmacher)
Der Herzschlag verlangsamt sich natürlicherweise mit zunehmendem Alter. In extremen Fällen führt dies zu bradykarden Rhythmusstörungen, die nur durch einen Herzschrittmacher behoben werden können.
Eigenschaften eines Herzschrittmachers:
- Wird unter lokaler Betäubung implantiert
- Ist ein kleiner, technisch ausgereifter Computer
- Arbeits im Standby-Modus (springt nur bei Bedarf ein)
- Hat eine begrenzte Lebensdauer und muss regelmäßig überwacht werden
5. Das gebrochene Herz (Herzinfarkt)
Ein akuter Herzinfarkt äußert sich durch starke Brustschmerzen, Todesangst, Atemnot, kalten Schweiß und Blässe. Patienten beschreiben das Gefühl, als wäre ihr Herz "zerrissen" oder "geplatzt".
Ein Infarkt führt zu einer Leistungseinschränkung, Defektheilung und kann langfristige Angststörungen oder Depressionen auslösen:
- 6 % der Koronarkranken haben eine Angststörung
- 8 % der Koronarpatienten zeigen eine Depression
- 11 % der Koronarkranken zeigen eine Phobie
- 17 % der Koronarkranken leiden an einer Panikstörung
Risikofaktoren & Zeitpunkt
Infarkte häufen sich morgens nach dem Aufwachen und montags bei Berufstätigen. Starke emotionale Belastungen erhöhen das Risiko drastisch:
- Fußballspiele (Infarktrate bis zum 3,5-fachen)
- Kriegssituationen
- Naturkatastrophen wie Erdbeben
6. Das schwache Herz (Herzinsuffizienz)
Bei einer Herzschwäche lässt die Pumpleistung nach, oft infolge von Hypertonie oder nach einem Herzinfarkt mit Vernarbung des Muskelgewebes.
Symptome:
- Luftnot bei Belastung
- Schneller Puls
- Wassereinlagerungen in den Beinen (Ödeme)
- Rasche Ermüdung
Therapie
Medikamentöse Behandlung mit verschiedenen Substanzen, regelmäßige ärztliche Überwachung nötig.
Psychosoziale Einflüsse & Schutzfaktoren
Gefährlich für das Herz:
- Extrem stressige Situationen (Wut, Ärger, Existenzangst, Einsamkeit)
- Partnerkonflikte
- Plötzliche Entlastung nach langer Belastung ("Urlaubseffekt")
- Soziale Isolation
- Montagmorgen für Berufstätige
Schützend wirken:
- Positive Emotionen
- Körperliche Aktivität in Maßen
- Eine gute Partnerschaft
- Gesunde Ernährung
- Seelenharmonie
Tako-Tsubo-Kardiomyopathie
Syndrom des "gebrochenen Herzens": Durch massiven psychischen Stress entsteht infarktähnliche Symptomatik trotz freier Kranzgefäße. Bei richtiger Behandlung heilt sie meist vollständig.
Zusammenfassung: Was erhält das Herz zusammen?
- Gesunde Ernährung
- Genügend Bewegung
- Entspannung
- Lebensfreude
© Prof. Dr. Heiner Sigel | Quelle: Präsentation "Was macht das Alter mit dem Herzen?" Vortrag vom 14.04.2026 im Rahmen von ÄwiR (Älter werden im Rieselfeld"
Anmerkung der Redaktion:
Defibrillatoren finden man:
- auf dem Maria-von-Rudloff-Platz am Glashausgeländer (rund um die Uhr)
- Im Kepler-Gymnasium (nur zu Öffnungzeiten)
- bei Sport vor Ort im Rieselfeld (nur zu Öffnungszeiten)